Sicherheit im Schulbus und an der Bushaltestelle ist keine Hexerei!
Es war ein kalter, aber sonniger Tag, als sich morgens um 08:00 Uhr die ersten Klassen mit knapp 60 Schülerinnen und Schülern hinter dem Drängelgitter aufstellten und alle Ranzen in einer langen Reihe hintereinander auf dem Boden abstellten.
Die stellvertretende Schulleiterin Frau Andrea-Kristina Strauch und Gerhard Brink von der Kreisverkehrswacht Fulda, fragten die Schüler zuerst nach den Schulregeln, die sie beim Aufstellen beachten müssen.
Danach versuchte der Verkehrswachtmoderator die Kinder neugierig zu machen, um dann zu fragen: „Was kann eurer Meinung nach beim Busfahren alles gefährlich sein?“
Der Fahrer des Schulbusses wartete auf das Zeichen zur ersten Spielszene.
Ein roter Feuerwehrschlauch markierte den Bordstein an der sehr engen Bushaltestelle, vor dem der Schulbus anhalten sollte.
„Was passiert, wenn der Schulbus in die sehr enge Haltestelle einfährt, und ich dicht am Bordstein stehe?“, fragte Gerhard Brink die Schüler. Während des Durchsprechens der Gefahrensituation erschraken die Kinder kurz, als der Bus mit der Karosserie mehr als einen Meter in den Gehweg hinein schwenkte und dem Moderator, der dicht hinter dem roten Bordstein stand, immer näher kam. Lena rief: „Pass auf der Bus!“
Der Schreck war weg, als sie merkten, dass dies zwischen dem Busfahrer und dem Moderator abge-sprochen war. Jetzt begriffen alle: Man muss mindestens zwei große Schritte von der Bord-steinkante entfernt stehen und immer zum einfahrenden Bus hinschauen.
Die zweite Lektion, das Einsteigspiel, folgte sofort.
Die Kinder der einen Klasse spielten die Ruhigen, die sich in einer Reihe hintereinander aufstellen und auf ein Kommando zügig vorne in den Bus einsteigen und sich sofort hinsetzen.
Die andere gleichstarke Klasse spielten die Drängler, die Schubser, die hinten in den Bus einsteigen. Alle Kinder hatten aus Sicherheitsgründen den Ranzen in der Hand.
Die Konrektorin gab das Kommando: „Auf die Plätze, fertig los!“ Das Spiel begann. Am hinteren Buseinstieg wurde es gleich sehr laut und hektisch. Es wurde geschubst und gedrückt.
Zwei Lehrerinnen stoppten die benötigte Zeit.
Die Klasse der ruhigen, sich korrekt verhaltenden Schulkinder benötigten 47 Sekunden, bis alle saßen. Die Klasse der Schubser und Drängler brauchten mehr als doppelt so lang. Fast 2 Minuten!
Die Konrektorin Andrea-Kristina Strauch fasste zusammen: „Kinder, die Stoppuhr beweist es: Drängeln macht Stress und es dauert viel länger!“
Die Kinder erfuhren auch, warum lauter Lärm im Bus gefährlich ist und warum der Busfahrer sich deshalb nicht auf den Straßenverkehr konzentrieren kann. Auch lernten sie, dass nur der Sitzplatz der sicherste Platz im Bus ist und dass Herumlaufen während der Fahrt sehr gefährlich ist.
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Fast alle Schüler, die vorne in den Bus einstiegen, begrüßten mit einem freundlichen „Hallo Roland“ den Busfahrer und andere mit einem netten „Guten Morgen“. Die Schüler lebten vor, dass schon ein bisschen Freundlichkeit gegenüber dem Anderen, vieles leichter macht und Stress abbaut.
Warum erklärte eine Drittklässlerin: „Das ist doch unter netter Busfahrer Roland!“
Wie unberechenbar eine Busfahrt werden kann, zeigte die nächste Demonstration.
Mit Tempo 30 Km/h befuhr der Bus eine Straße im Kalbacher Industriegebiet. Mehrere größere Schüler, die beiden Lehrerinnen standen im Mittelgang und hielten sich mit beiden Händen fest. Plötzlich und ohne Ankündigung führte der Bus ein starkes Ausweichmanöver nach links durch.
Kinder und Erwachsene kippten zuerst nach links und dann wieder zurück. „Unglaublich“, meinte Lena, „ich hab‘ mich doch ganz fest an dem Griff gehalten und bin doch auf den Sitz gekippt.“
Alle Kinder mussten sich wieder setzen, denn jetzt sollte Roland Reuß eine starke Bremsung aus Tempo 20-25 Km/h durchführen. Keiner wusste, wann die Bremsung erfolgt. Im Mittelgang standen unsere Dummys, ein Wasserkasten und ein schwerer Schulranzen; alle saßen gespannt in den Sitzen.
Plötzlich bremste der Fahrer. Der Wasserkasten rutsche ein Stück, der Schulranzen fiel um und schlitterte mehrere Meter weit nach vorne.
Alle Schüler wurden wie von unsichtbarer Kraft nach vorne gegen die Rückenlehne des Vordersitzes gedrückt.
„Ihr seht“, sagte der Moderator zu den staunenden Kindern, „nur der Sitzplatz ist ein sicherer Platz im Bus. Wer stehen muss, weil alle Sitzplätze mit Schülern besetzt sind, muss sich während der gesamten Fahrt an den Haltegriffen festhalten. Am sichersten mit beiden Händen! Ansonsten ergeht es euch so,
wie dem Ranzen, ihr fallt um!“
Was ist ein „toter Winkel“?
Gerhard Brink verblüffte die Kinder: „Wetten, dass ich eine ganze Klasse dicht neben dem Bus ver-stecken kann, ohne dass der Busfahrer die Kinder sehen kann?“
Anfangs zweifelten viele, weil der Bus ja mehrere Rückspiegel hat.
Der Moderator legte mit den Kindern rot-weiße Plastikketten auf den Boden, hinter denen sich die ganze Klasse aufstellen musste.
Der Busfahrer Roland Reuß sah im rechten Außenspiegel keine Kinder stehen, obwohl sie nur knapp zwei Meter neben dem Bus standen.
Damit die Schüler dies auch glaubten, durfte jeder von ihnen sich auf den Fahrersitz setzen und stauend berichten: „Bah, ich sehe ja gar keine Schüler“, sagte Leon.
So erlebten die Kinder, was ein toter Winkel ist und erkannten, warum dieser so gefährlich ist.
Für den ganzen Vormittag wurde von dem Busunternehmen Ewald Theurer, ETK-Reisen Kalbach, ein Schulbus mit dem Fahrer Roland Reuß zur Verfügung gestellt. Dem Busunternehmen liegt auch viel daran, dass sich die Schüler regelgerecht verhalten und die Busfahrt für alle angenehm und sicher verläuft.
Bei diesen vielen praktischen Übungen haben etwa 170 Schüler in insgesamt drei Durchgängen viel erlebt, viel gelernt und auch viel behalten.


